Ein neuer Anfang

Nach der bedingungslosen Kapitulation des letzten Deutschen Reiches, das nach Ansicht seiner Begründer 1000 Jahre bestehen sollte, fand man hier eine politische und bauliche Trümmerlandschaft vor. Allein  auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone mussten etwa 18 Millionen Menschen wieder mit Wohnraum versorgt werden. Berlin war von den Bombenangriffen und den Kampfhandlungen des Krieges schwer gezeichnet

Bundesarchiv  Bild 183-2007-0606-500           Foto: Funck,  Heinz

Bundesarchiv    Bild 183-R66926        Foto: Bittnerl      Juni 1947

Die Große Frankfurter Straße im Stadtbezirk Friedrichshain war vor dem Krieg eine beliebte Einkaufs- und Bummelmeile. Bernhard Rose gründete hier 1877 in der damaligen Haus- nummer 132 sein Theater.
Eine Gedenktafel am Hauptein- gang des Blocks C-Süd erinnert heute daran. Dieses Leben der Straße ließ sich im Jahre 1947 nicht einmal mehr ahnen. Wie fast in der gesamten Stadt waren auch die, für Berlin typischen, Mietskasernen an der Großen Frankfurter Straße stark beschädigt oder total zerstört.

Große Frankfurter Straße 5-6 um 1930, Lampengeschäft von Emil Warnack

Heute die Kreuzung  Sraße der Pariser Kommune, nördliche Seite.
Bis 1989 befand sich hier das Restaurant “Haus Budapest”, danach zog eine Bank und ein Steakhouse ein.

Bereits 1945 wurde von den vier Siegermächten ein Planungskollektiv zum Wiederaufbau Berlins unter Leitung des Architekten Hans Scharoun eingesetzt. Diese Gruppe favorisierte den Bauhausstil der 20er Jahre, das Neue Bauen.
Grundgedanke waren funktionelle, klar strukturierte Wohnbauten. 1946 legten die Architekten ihren Plan vor.
Die Idee war, Wohnzellen (später „Wohnstädte“)  für etwa 5000 Einwoh
ner zu schaffen. Wohneinheiten sollten dabei von Grünanlagen umgeben und soziale Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten und kulturelle Einrichtungen integriert werden. Die Wohneinheiten waren als mehrgeschossige Gebäude oder, für Familien mit Kindern, als eingeschossige Häuser mit Garten konzipiert. Die Wohnzellen sollten, im Inneren annähernd verkehrsfrei, in einem übersichtlichen Straßennetz angelegt werden. Eine möglichst räumliche Nähe zum Arbeitsplatz sollte für zusätzliche Verminderung des Verkehrs sorgen

Mietskasernen mit Hinterhöfen und Stallungen gehörten damit der Vergangenheit an.
Voraussetzung für die Verwirklichung der Pläne wäre allerdings eine grundsätzliche Neuregelung der Eigentums- und Grundbesitzverhältnisse gewesen. Damit stieß der Plan nicht nur auf Zustimmung.
Schon kurz nach Veröffentlichung erster Ergebnisse lehnten die Alliierten den Plan für die Westsektoren der Stadt ab.
In der SBZ wurde er 1949 in den Generalaufbauplan übernommen. Als Standort für die 1. Wohnzelle wurde der südliche Bereich der Großen Frankfurter Straße zwischen Weberwiese und Warschauer Straße bestimmt.
Noch im selben Jahr begannen die Vorbereitungsarbeiten.

Bundesarchiv    Bild 183-S94985   Foto: Bödel      25. Mai 1950

Bundesarchiv         Bild 183-S94252  Foto: Funck, Heinz    9. März 1950

Aufbau der ersten Wohnzelle Berlins beginnt. Die ersten Bauarbeiten an der ersten Wohnzelle Berlins in der Stalinallee haben begonnen. Nachdem seit der Grundsteinlegung am
21.12.1949 ein Teil des Geländes enttrümmert wurde, begannen jetzt die ersten Ausschachtungsarbeiten
.

Bundesarchiv            Bild 183-S95880
Foto: Funck, Heinz    22. April 1950

Bundesarchiv            Bild 183-S96314         Foto: Funck, Heinz   Mai 1950

Bauarbeiten an der Wohnzelle begannen.
An der ersten Wohnzelle Berlins an der Stalinallee begannen jetzt nach Abschluß der Vorbereitungsarbeiten die Maurer mit ihrer Tätigkeit
.

Am 21. Dezember 1949, wenige Wochen nach Gründung der DDR, anlässlich des 70. Geburtstages von Josef Stalin wurde die „Große Frankfurter Straße“ in „Stalinallee“ umbenannt. Damit begann unter dem Einfluss der zunehmenden Stalinisierung auch für die Architekten in der SBZ ein ideologisches Umdenken.
Im Frühjahr 1950 wurde mit dem Baubeginn der 1. Wohnzelle Berlins jedoch die Umsetzung der Pläne der Architekten um Hans Scharoun gestartet.
Es wurden zwei sogenannte „Laubenganghäuser“ parallel zur Stalinallee gebaut. In schräger, zeilenförmiger Anordnung entstanden dahinter sechs mehrgeschossige Gebäude
.

Bundesarchiv     Bild 183-S98931    Foto:   Quaschinsky; Hans-Günter    18. Juli 1950

Die erste Wohnzelle Berlins. Dort, wo vor 6 Monaten noch enttrümmert wurde, stehen heute wuchtige Wohnblocks.
Am 19.7.1950 feiert der erste Bauabschnitt das Richtefest.

Bundesarchiv            Bild 183-08269-0001     Foto: Schmidtke       12. Oktoberi 1950

Gerüste der Wohnzelle fallen. Am 1. Bauabschnitt der Wohnzelle Karl-Marx-Allee in Berlin wurden am 12.10.50 die Gerüste entfernt. UBz: Blick auf den fertigen Wohnblock..

Bundesarchiv              Bild 183-08344-0005      Foto: Sturm, Horst      8. Oktober 1950

Wie ist die Wohnzelle Stalinallee eingerichtet? Die ersten Einzimmer-Wohnungen der Wohnzelle Stalinallee in Berlin sind jetzt zur Besichtigung freigegeben worden.  Diese Küchenschränke werden eingebaut und gehören nicht zur Möblierung.

Bundesarchiv              Bild 183-08344-0003       Foto: Sturm, Horst      18. Oktober 1950

m Wohnzimmer (HO-Einrichtung).

Bundesarchiv                       Bild 183-13543-0006          Foto: Junge; Peter Heinz              9. Februar 1952

Blick in Richtung Westen. Links und oben rechts die Laubenganghäuser. Dazwischen, zurückgesetzt die anderen Häuser der Wohnzelle.

Damit fand die Idee der Wohnzelle bereits ihren Abschluss. Weitere Wohneinheiten, darunter die geplanten Flachbauten mit Garten entstanden nicht mehr.
Die beiden Laubenganghäuser wurden in den neuen Planungen als störend empfunden. Schnell wachsende Pappeln sollten die Häuser aus dem Blick nehmen.

Die erste sozialistische Straße hatte neue Ideale.

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