Vom Fischerdorf zur europäischen Metropole ...

... so einfach ist die Geschichte Berlins dann doch nicht zu beschreiben, war diese Stadt doch spätestens seit der Herrschaft der Hohenzollern Spiegelbild der politischen, aber auch der wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Entwicklungen Deutschlands und Europas.

Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt Cölln findet sich im Jahr 1237. Damals befand sich auf der Spreeinsel die Doppelstadt Berlin - Cölln. Die Spreeinsel zieht sich von der Fischerinsel über den Schlossplatz zur Museeumsinsel im heutigen Stadtbezirk Mitte. Ein Fischerdorf also, dessen nördliche Spitze, die heutige Museeumsinsel mit dem Lustgarten, im Mittelalter noch eine sumpfige Flussaue war. Auf dem Schlossplatz befand sich erst eine Burg, später dann das Stadtschloss, das nach dem 2. Weltkrieg im Zuge der “Vergangenheitsbewältigung” gesprengt wurde und dem “Palast der Republik” Platz machte, der zu Beginn der 70er Jahre gebaut wurde. Nach der politischen Wende fand dann die nächste “Vergangenheitsbewältigung” statt. Dem Abriss des “Palstes” soll nun auf dem entstandenen “Humboldforum” ein Nachbau des Stadtschlosses folgen.

Mit dem Erhalt der Kurwürde des Kürfürsten der Mark Brandenburg begann unter Friedrich I. die Herrschaft der Hohenzollern als Kurfürsten, Könige und Kaiser bis zum Ende des 1. Weltkrieges im November 1918.

Gleichzeitig war das auch der Beginn des Aufstiegs der Stadt zur Residenzstadt.

Die verheerenden Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges verschonten auch Berlin nicht. Im Zuge des Aufbaus unter dem Großen Kurfürst entstanden die Vorstädte Dorothenstadt, Friedrichswerder und Friedrichstadt. Es begann die Politik der Immigration und relegiösen Freiheit, die auch unter seinem Sohn, dem späteren König Friedrich I. und seinem Enkel Friedrich Wilhelm I., dem Soldatenkönig fortgesetzt wurde. Dadurch siedelten sich vor allem französische Hugenotten, aber auch Polen, Salzburger und Böhmen an. Um 1700 machten allein die Franzosen etwa 20% der Bevölkerung aus.

Mit der Krönung zum “König in Preußen” machte Kurfürst Friedrich III. nun als Friedrich I. Berlin zur preußischen Hauptstadt. Besonders unter ihm nahm der französische Einfluss stark zu. Pracht und Prunk bis hin zur Verschwendung, aber auch die Förderung von Wissenschaft und Kultur  kennzeichnen die Herrschaft des ersten Königs aus dem Hause Hohenzollern.

Mitte des 18. Jahrhunderts erreicht Berlin mit einer Einwohnerzahl von 100336 den Status einer Großstadt. Dies Zahl wurde nur durch die Auswirkungen des Siebenjährigen Krieges unterschritten. 1801 zählte man bereits 172908 Einwohner. Die Bevölkerungsdichte betrug dabei mehr als 13000 Einwohner / km².

Die Fläche der Stadt betrug im Jahr 1825 ca. 1400 ha. Um den Kern, der seit 1307 vereinigten Doppelstadt Berlin und Cölln auf der Spreeinsel gruppierten sich nun innerhalb der Zollmauer die Stadtteile Friedrichswerder, Neukölln, Dorotheenstadt, Friedrichstadt, Luisenstadt, Stralauer Viertel, Königsstadt, Spandauer Viertel und Friedrich-Wilhelm-Stadt. Von den Toren in der Zollmauer existiert heute nur noch das Brandenburger Tor. Alle anderen finden sich lediglich in topografischen Bezeichnungen wie z.B. das Frankfurter oder das Oranienburger Tor.

1871 erhält Berlin durch die Krönung Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser den Status der Reichshauptstadt.

Im März 1888 stirbt Wilhelm I. Sein Sohn, Friedrich III. regiert nur 99 Tage und erliegt dann einem Krebsleiden. Die Regentschaft geht nun an den Enkel Wilhelm I., der als Wilhelm II. mit nur 29 Jahren einem neuen Zeitalter seinen Namen geben wird. Das "Wilhelminische Zeitalter" ist durch die Wandlung des Agrarlandes in einen Industriestaat gekennzeichnet. Mit der zunehmenden Industrialisierung nach 1890 erhält auch Berlin ein neues Gesicht. Die Ablösung der Manufakturen durch große Industriebetriebe, die Entstehung neuer Wirtschaftszweige und der damit verbundene  Ausbau der Infrastruktur fordert eine hohe Zahl von Arbeitskräften. Viele Einwohner des landwirtschaftlichen Umlands folgen, nicht zuletzt durch ökonomische Zwänge, den neuen Produktionsstandorten, die vor allem in den Vororten entstehen. Neue Bahnanbindungen und der Bau der
S-Bahn machen diese Bestrebungen möglich.  Die Landflucht erhöhte die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum, der im innerstädtischen Bereich nicht mehr gefunden wurde, um ein Vielfaches.  Das ist die Geburtsstunde der Mietskasernen, mehrgeschossigen Häusern mit dunklen Hinterhöfen und Seitenflügeln. Trotz einfachster und spartanischster Ausstattung, geringer Wohnfläche und fehlendem Sanitärbereich stellen diese Wohnungen für viele Menschen zunächst eine Verbesserung ihrer Lebenssituation dar. Sie bieten auch jenen eine Alternative, die sich aufgrund der hohen Preise eine Wohnung in der Innenstadt nicht mehr leisten können. Mit zunehmenden Gewinnstreben, erforderlichen Rationalisierungen und wachsender Konkurenz der Betriebe hält dieser Zustand allerdings nicht lange an.  Meistens sind  diese Wohngebiete auch Bestandteil der Industrieanlagen  woraus wieder gesundheitliche Probleme entstehen. Aus den Vorstädten die außerhalb der Zollmauer liegen ( wie Neukölln, Wedding / Gesundbrunnen oder Oranienburger Vorstadt) bilden sich als Gegensatz zu den bürgerlichen Vierteln reine "Arbeiterviertel” die allmählich selbst zu Großstädte werden. Gleichzeitig formen sich durch diese Entwicklungen und Gegensätze soziale Brennpunkte in der Stadt.

Der wirtschaftliche Wandel bleibt auch für die politischen Struktur nicht ohne Folgen. In dem neu entstehenden  Industriezentrum und größter Verkehrsknotenpunkt Deutschlands mit einem steigenden proletarischen Bevölkerungsanteil bildet sich folgerichtig eine starke sozialdemokratische und kommunistische Bewegung.

Bis zum Jahr 1912 erreichen die Hinterhofwohnungen einen Anteil von 45%. Mit den Folgen und Auswirkungen des 1. Weltkrieges verschärfen sich in den Jahren von 1914 bis 1918 die Lebensbedingungen für viele Menschen dramatisch.

Am 27. April 1920 wird in der preußischen Landesversammlung das Gesetz über die “Bildung der neuen Stadtgemeinde Berlin”  mit knapper Mehrheit angenommen und tritt am 1. Oktober 1920 in Kraft.

Groß-Berlin, entstanden aus 8 Stadtgemeinden, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken, umfasst nun 878 km² und zählt rund 3,8 Mio. Einwohner in 20 Verwaltungsbezirken.

In den so genannten “Goldenen Zwanzigern” erlangt Berlin den Status einer europäischen Kulturmetropole.

Am 25. Oktober 1929, dem “schwarzen Freitag” verschärft sich mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise die Situation wie überall. Besonders hart betroffen sind die Arbeiterbezirke. Hier konzentriert sich die soziale und wirtschaftliche Not unübersehbar.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird Berlin zur Reichshauptstadt. Die politische Struktur erfordert allerdings besondere Maßnahmen um Fuß zu fassen. Bereits 1926 beordert Hitler Joseph Göbbels als Gauleiter nach Berlin. Er soll den Boden bereiten.

Gemeinsam mit seinem “Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt”, Albert Speer will Hitler seinen Traum der “Welthauptstadt Germania” verwirklichen.

Besonders dramatisch ist die Situation für die jüdische Gemeinde in Berlin. Mit der “Reichskristallnacht” vom 9. zum 10. November 1938 begann auch in Berlin die “Endlösung der Judenfrage”.

Ab November 1943 wird Berlin neben Hamburg und dem Ruhrgebiet ein Hauptangriffsziel der britischen und amerikanischen Luftwaffe. Im April 1945 tobt der Kampf um Berlin. Straße für Straße, Haus für Haus wird fanatisch verteidigt und wider besseren Wissens die Legende vom “Endsieg” propagiert. Kinder und Greise lassen in den letzten Tagen des Krieges sinnlos ihr Leben.

Am 2. Mai 1945 kapitulierte der letzte Stadtkommandant, General Weidling und die Kämpfe werden beendet.

Am 9. Mai erfolgt die formale Unterzeichnung der Kapitulation in Berlin-Karlshorst.

Berlin wird als besetzte Stadt in vier Sektoren geteilt.

Hatte die Stadt zu Beginn des Krieges 1939 rund 4,3 Mio. Einwohner, sind es 1945 noch etwa 2,8 Mio. Die Zerstörungen ist noch unübersehbar. Allein im Reichsbahnbezirk Berlin sind knapp die Hälfte der Gleise zerstört und mehr als 300 Brücken unpassierbar.

Unter unvorstellbaren Bedingungen beginnt der Wiederaufbau. Hunger, Wohnraummangel und einer zusammengebrochenen Infrastruktur müssen sich die Menschen entgegenstellen. Der Winter 1946/47 zählt zu den strengsten im 20. Jahrhundert. Tausende sterben an Kälte und Hunger.

Am 24. Juni 1948 beginnt die Berlin-Blockade durch die sowjetischen Besatzungstruppen. Der amerikanische, britische und französische Sektor werden von der Versorgung abgeschnitten. Am 25. Juni beginnt auf Befehl von General Lucius D. Clay, Militärgouverneur der US-amerikanischen Besatzungszone die Versorgung der Westberliner Bevölkerung durch die Einrichtung einer Luftbrücke. Am 26. Juni fliegen die ersten Maschinen. Die Blockade wird erst am 12. Mai 1949 aufgehoben. Viele Westberliner beteiligten sich freiwillig bei der Entladung der Maschinen und der Verteilung der Waren. Mit der Luftbrücke entwickelt sich ein tiefes freundschaftliches Verhältnis der West-Berliner zu den USA.

Mit der Gründung der Bundesrepublik  am 23. Mai 1949 aus den drei westlichen Besatzungszonen wird die besondere Situation Berlins deutlich. Aufgrund des Vier-Mächte-Status gehört Berlin faktisch nicht zur Bundesrepublik, kann demzufolge auch nicht Hauptstadt werden. Dem steht auch die territoriale Isolation entgegen. Diese Situation kann sich erst durch eine deutsche Wiedervereinigung ändern.  Daran ist aber zu Zeiten der sich verschärfenden Konfrontationen zwischen den drei Westalliierten auf der einen und der SBZ auf der anderen Seite nicht zu denken. Bonn erhält deshalb den Status einer vorläufigen Bundeshauptstadt. Trotzdem fühlen sich die Westberliner von Anfang an als Teil der neuen Republik.

Die sowjetischen Besatzer haben eine andere Auffassung. Dem Vier-Mächte-Status unterliegt ihrer Auffassung nach nur Westberlin. Mit der Staatsgründung der DDR am 7. Oktober 1949 wird der sowjetisch besetzte Teil Berlins zur “Hauptstadt der DDR” erklärt. Im Gegensatz zu Westberlin ist Ostberlin auch Regierungssitz der Staatsführung.

Der 13. August 1961 graviert das denkwürdigste Datum für die  Berliner. Aufgrund von Abwanderungen und gegensätzlichen Wirtschaftsbedingungen teilt die Regierung der DDR mit Einverständnis der sowjetischen Besatzer die Stadt nun auch physisch - mit einer Mauer. Diese Mauer wird in drei Stufen ausgebaut und erweitert und wird 28 Jahre als hässliches Bauwerk zur traurigen Normalität.  Von nun an verläuft hier nicht nur die Trennlinie zwischen Ost und West sondern auch die Nahtstelle des kalten Krieges in Europa, ja in der Welt. Wie sensibel diese Trennlinie war erfuhren die meisten Berliner erst nach der politischen Wende am 9. November 1989.

Mit der Wiedervereinigung oder offiziell dem “Beitritt der DDR zum Gebiet des Grundgesetzes” zeigen sich die Schwierigkeiten, die aus der besonderen Situation der Stadt während der Teilung entstanden waren.

1. Viele, besonders infrastruktuelle Einrichtungen waren doppelt vorhanden.

2. Die meisten Entscheidungen waren nicht auf ökonomischer sondern auf politischer Basis getroffen worden.

3. Westberlin war grenzenlos subventioniert worden.

Diese Tatsachen unterschieden Berlin vom Rest der neu entstandenen Bundesrepublik. Aber trotz dieser schwierigen Ausgangslage ist Berlin wieder eine europäische Metropole geworden.

Heute hat Berlin eine Fläche von 892 km² und 3.443.570 Einwohner. Spuren der Geschichte sind überall zu finden. Jede Epoche hat ihre Zeichen hinterlassen.

Viele verschiedene Einflüsse haben die Stadt geprägt - und das ist auch gut so!

 

Berliner Geschichte(n)

Geschichte einer Straße

Von Stalin bis Karl Marx

Berliner Bilder

Meine Fotos

Geschichte in Briefmarken

Am 22. Mai 1945 wurden Briefmarken mit Bärenmotiv und dem Aufdruck “Stadt Berlin” in Umlauf gebracht.

Am 24. Juni 1948 führte die SBZ eine eigene Währungsreform durch. Die gemeinsamen Briefmarken erhielten nun den Aufdruck und wurden nur für Ostmark verkauft.

Am 3. September 1948 wurden neue Marken ausgegeben. Marken aus der 2. Kontrollratsausgabe (für Gesamtdeutschland) wurden mit der Aufschrift BERLIN schwarz überdruckt. Diese Ausgabe wurde von der SBZ zunächst nicht anerkannt.

Aufgrund der katastrophalen Situation Berlins wurde in Westdeutschland am
1. Dezember 1948 das “Notopfer Berlin” eingeführt. Diese Marke musste zusätzlich zur Frankierung geklebt werden. Das Geld kam der Berliner Bevölkerung zu Gute.

Ausgabe 1949: Marken aus Gesamtausgabe mit grünem Aufdruck BERLIN und geänderten Wertenn

Später wurden neben eigenen Ausgaben, Dauerserien der Deutschen Bundespost mit dem Zusatz “Berlin” versehen. Ostberlin verwendete uneingeschränkt die Marken der DDR.

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