Ein Gast im Garten:


Die Spinne baut ein Radnetz in Bodennähe. Obwohl sie ihr Netz immer wieder erneuern kann verlässt sie bei häufigen Störungen den Ort oder stirbt sogar ab. Durch starke Stürme wurde zum Beispiel 2008 ein begonnener Netzbau mehrfach zerstört. Erst im vierten Versuch konnte eine Spinne das Netz fertig stellen. Der Netzbau erfolgt vorzugsweise in der Dämmerung.
Diese Verspätung hatte offensichtlich auch Auswirkung auf die Entwicklung.  Die Spinne und auch der spätere Kokon waren kleiner als im Vorjahr.

Seit mehreren Jahren kann ich in meinem Garten eine besonders auffällige Spinne beobachten - die Wespen- oder Zebraspinne (Argiope bruennichi) - eine der attraktivsten Spinnen in unseren Breiten.
Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet dringt sie seit etwa 30 Jahren immer weiter nach Norden vor.
Begünstigt werden wärmere Standorte mit kurz gehaltener, naturbelassener Vegetation.

Wenn die Tage wärmer werden, in der Regel im April / Mai,  erscheinen die jungen Spinnen und beginnen mit dem Netzbau. In dieser Phase ist das Netz noch sehr verletzlich, entspricht aber dem Netz der “erwachsenen” Spinne in Vollendung.
Besonders jetzt spielt auch das Wetter eine Rolle. Da die Vegetation noch nicht sehr dicht ist und besonders in dieser Jahreszeit heftige Winde auftreten können besteht erhöhte Gefahr der Zerstörung des Netzes.
Hat die Spinne sich einmal eingerichtet sind die Netze später von erstaunlicher Stabilität.

Mit Fertigstellung des Netzes beginnt der Fang von Insekten und damit die Nahrungsaufnahme. In relativ kurzer Zeit wächst die Spinne auf eine beachtliche Größe.
Weibliche Tiere erreichen 15 - 20 mm. Die Männchen sind dagegen mit
4 - 6 mm wesentlich kleiner.

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Auffällig an dem Radnetz dieser Art ist das Zick-Zack-Muster, über welches es drei Theorien gibt.

1. Dieses Muster verleiht dem Netz Stabilität.
2. Das Muster dient der Spinne als Tarnung.
3. Insekten werden durch das Muster angelockt.

Neben der Zeichnung ist das Zick-Zack-Muster  im Netz jedenfalls eine weitere Besonderheit der Wespenspinne.

Hier wird wohl deutlich, woher die Spinne ihren deutschen Namen hat.
Ausgewachsen zeigt sie eine besonders schöne Zeichnung. Für Menschen ist die Wespenspinne ungefährlich. Zwar kann sie beißen, der Biss wird jedoch wie ein Wespenstich beschrieben.
Hier sei auch noch einmal auf die Nützlichkeit dieser Tiere hingewiesen, vertilgen sie doch eine erhebliche Zahl von Schädlingen im Garten und sorgen somit auf natürliche Weise für gesunde Pflanzen. Überlassen Sie ihnen deshalb ein Stück Lebensraum  - die Spinne wird Sie nicht stören.

Verfängt sich ein Beutetier im Netz ist die Wespenspinne blitzschnell zur Stelle. Die Beute wird eingesponnen und im Netz aufgehangen.

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Ein besonderes Schauspiel ist die Paarung der Wespenspinne mit dem wesentlich kleineren Männchen. Die Männchen werden im Juli / August geschlechtsreif.
Das Männchen kommt zum Netz und zupft daran. Es nähert sich dem Weibchen mit zuckenden Bewegungen.  Das weibliche Tier verfällt daraufhin in eine passive Starre. Erst jetzt nähert sich das Männchen weiter.
Ist der Paarungsakt erfolgt, löst sich das Weibchen urplötzlich aus ihrer Passivität und tötet das Männchen. Dabei wird das Männchen als Beute betrachtet und gefressen. Eine Theorie besagt, dass dem Weibchen (und damit den sich entwickelnden Eiern) dadurch wichtige Nährstoffe zugeführt werden.

Ende August bereitet die Wespenspinne die Eiablage vor.Die Menge der Eier kann dabei das gleiche Volumen wie das ihres Körpers haben.
In den Abendstunden beginnt die Spinne  mit dem Bau ihres Kokons.
Sie ist in der Lage zwei Arten von Fäden zu spinnen: einen sehr festen, harten und einen weichen. Das Innere des Kokons bildet ein pfropfenartiges Gespinst aus festen (braunen) Fäden. Auf die Unterseite kommt jetzt ein watteartiger Bausch aus weichen (weißen) Fäden.

Nun beginnt die Spinne mit der Eiablage.  Die Eier werden dabei an das Gespinst gedrückt. In weiteren Schüben drückt die Wespenspinne immer mehr Eier an den Pfropf. Das können 300 - 400 Stück sein.
Danach löst sie sich ruckartig und umgibt das Ganze mit einer weißen Schicht.
Auf diese bringt sie nun gekräuselte braune Fäden locker auf. Mit weniger gekräuselten, weißen Fäden wird diese Schicht nun dicht umschlossen. Es entsteht eine pergamentartige Außenhaut. Diese wird noch mit braunen Fäden umwoben.
Als letztes wird der Kokon in die Vegetation eingesponnen. Wie auf dem Bild ersichtlich werden auch Blätter baldachinartig zusammengezogen. Erstaunlich ist, wie fest der Kokon in den Pflanzen verankert ist.
Je nach den Umständen werden nun noch weitere Kokons in der Nähe des Netzes platziert.

Einige Zeit wird die Wespenspinne ihre Kokons bewachen. Dann, Ende Oktober / Anfang November stirbt die Spinne. Der Kokon bleibt sich selbst überlassen.
Die Jungspinnen werden sich über den Winter entwickeln um in den beginnenden warmen Tagen des neuen Jahres den Kokon zu verlassen. Einige Spinnen werden versuchen, sich am alten Standort anzusiedeln, einige werden sich mit Hilfe erster gesponnener Fäden vom Wind wegtragen lassen uns sich somit weiter verbreiten. Viele werden es aber auch nicht überleben.

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