1914 hatte der Imperialismus in Europa seinen Höhepunkt erreicht. Europa, die USA und Japan dominierten im Weltgeschehen.
Die Industrialisierung, der Bevölkerungszuwachs und die Kolonialisierung hatten den führenden Mächten zu noch mehr Macht verholfen.
Das aufstrebende deutsche Kaiserreich hatte bereits das bestehende System empfindlich verschoben und dazu auch noch koloniale Ansprüche gestellt. Die österreichisch-ungarische Monarchie versuchte die Ausdehnung über den Balkan, Frankreich errichtete 1881 ein Protektorat in Tunesien und Großbritannien hatte 1882 Ägypten okkupiert.
So kann es nicht verwundern, dass im alten Europa nun nationale Bestrebungen und taktische  Bündnisse im Vordergrund politischer, diplomatischer und nicht zuletzt auch militärischer Aktivitäten standen.
Hier gab es Großmachtbestrebungen unterschiedlichster Art. Es galt die Vormachtstellung zu erreichen und damit die Welt neu zu ordnen.
Das Attentat des bosnischen Serben Gavrilo Princip auf den österreichischen Thronfolger und dessen Frau am 28. Juni 1914 war also der Anlass, nicht Ursache  für den sich nun entwickelnden Konflikt, über dessen Ausmaße sich keiner zu diesem Zeitpunkt eine Vorstellung machen konnte.
Zwei Bündnisse gab es in Europa. Auf der einen Seite stand Österreich mit dem deutschen Kaiserreich und Italien, auf der anderen Seite waren Frankreich und Russland verbündet. England sympathisierte mit diesem Bund.
Das deutsche Kaiserreich, mit den preußischen Hohenzollern an der Spitze, baute zwar traditionsgemäß auf seine militärischen Kräfte, befand sich aber seit über vierzig Jahren im Frieden. Damit hatte der Krieg für die meisten Menschen im wehrfähigen Alter seinen Schrecken verloren.
Aber auch die Älteren ahnten noch nicht, wie Wissenschaft und Industrialisierung  den Krieg grausam verändern sollten.
Einen Monat nach dem Attentat von Sarajevo, am 28. Juli 1914 unterzeichnet der österreichische Kaiser die Kriegserklärung an Serbien.
Und so folgten Anfang August im Deutschen Reich 1914 besonders junge Leute dem Ruf des Kaisers "Darum auf zu den Waffen" mit patriotischer Begeisterung und meldeten sich freiwillig an die Front, immer noch in dem Glauben dass es ein kurzer Krieg wird und Weihnachten alle wieder zu Hause sein werden.
Am Ende des Krieges wird man 10 Millionen Tote, 20 Millionen Verwundete, nicht gerechnet die zivilen Opfer, beklagen.
Bilder wie diese wird es noch in vielen Familienchroniken geben.

 

Sommer 1914:     1. Weltkrieg       -       Die  Urkatastrophe  des  20. Jahrhunderts  beginnt

Berlin, 6. August 1914:
Kaiser Wilhelm II. hält seine Rede zum Kriegseintritt an das  deutschen Volk
.             (Klicken Sie auf das Bild)

Übersetzung:

MINISTRE                                       REPUBLIK  FRANCAISE
DE LA GUERRE                             Paris,  la 21. Mars 1919
BUREAU
de Renseignements sur 1a
Prisonniers de Guerre

In Beantwortung Ihres Schreibens vom 1. März an die Adresse des Chefarztes de i´Hospital Complementaire 74 in Tréguier  teile ich Ihnen mit, daß der Kriegsgefangene Fritz Tornow R.I.R. 241/I am 25. November 1918 in Folge einer Kopfwunde an einer Gehirnhautentzündung gestorben ist.

Friedrich Wilhelm Edmund, genannt Fritz Tornow wurde am 21. August 1894 geboren. Mit genau 20 Jahren wurde er, wie viele andere in seinem Alter, ohne Erfahrung an die Front geschickt. Als Soldat des  Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 241 der sächsischen Armee kämpfte er in Frankreich.
Das R.I.R. 241 war der 105. Reserve-Infanterie-Brigade und damit bis Kriegsende der 53. Reserve-Division (3. Kgl. Sächs. Reserve-Division) unterstellt.
Das Regiment 241 wurde 1914 in Dresden aufgestellt. Mit der 53. Reserve-Division kämpfte die Einheit zwischen dem 4. August und dem 4. September 1918 im Gebiet zwischen Oisne und Aisne in Nordfrankreich, nahe der belgischen Grenze.
Das muss auch der Zeitraum sein, in dem Fritz Tornow verletzt und als vermisst gemeldet wurde. Die Wunde stammte von einem Granatsplitter. Die letzte Nachricht erhielten seine Eltern aus einem Hospital in Tréguier..
Ihnen und seinen vier Geschwistern blieb nur das Bild von seinem Grab in Frankreich.

 

Johannes, genannt Hans Ernst wurde 1892 in Hosterwitz bei Dresden (Sachsen ) geboren, war also zum Beginn des Krieges 22 Jahre. Nach seiner Seminaristenzeit trat er als Einjährig-Freiwilliger in die Armee ein.

Die Wehrpflichtzeit betrug damals bei der  Infanterie zwei  Jahre.
Unter besonderen Voraussetzungen (z.B. Reifezeugnis oder Einjährigen-Prüfung) konnten sich junge Männer zwischen dem 17. und 20. Lebensjahr als Einjährig-Freiwillige melden. Dadurch verringerte sich die Dienstzeit auf ein Jahr.
Einstellungen erfolgten  am 1. Oktober jeden Jahres.
Den Truppenteil konnte sich der Freiwillige selbst wählen.
Nach sechsmonatiger Dienstzeit war die Beförderung zum Gefreiten möglich.
Einjährig Freiwillige konnten bei Eignung  zu Reserve-Offizieren sonst zu  Reserve-Unteroffizieren ausgebildet werden.

In  diesem Fall sind allerdings Abweichungen erkennbar, die ich nicht recherchieren konnte.

1.  Hans Ernst war zur Einberufung bereits 24 Jahre alt
      (Hatte er sich bereits früher gemeldet?)
2. Die Einberufung fand am 12. Juli statt.  (Das könnte
     etwas mit den Kriegsbedingungen zu tun haben.)
3. Auf dem Helm ist deut lich das Regiment 102 zu
     erkennen. Lt. Kriegsstammrolle wurde er aber dem
     Regiment 103 unterstellt.
4. Die Beförderung zum Gefreiten  erfolgte erst nach
    12 Monaten.

Spalte 3:        Ernst, Johannes

Spalte 4:        ev.

Spalte 5:        Hosterwitz a. E.

Spalte 6:        Lehrer  -  Schönfels bei Dresden

Spalte 7:        ledig

Spalte 8:        Vater: Johannes Ernst, Restaur. - tot -
                      Mutter: Anna geb. Rudolph  - tot -
                      Schwester: Frida Ernst, Hosterwitz

Spalte 9:       11 / 177

Spalte 10 b:  12.7.16  als Einj. Freiw. b. II. Rekr.
                     1. Ers-Btln. I.R. 103 eingetreten.
                      20.10.16   ins Feld
                      23.10.16 z. 3. Komp.
                      Feldrekr. ... 32. I.D.
                      11.12.16 z. 11. Komp. I.R. 177
                      28.10.17  z. Übz. Gefr.

Spalte 11:     B.F.A.M  seit 29.6.17
                     EK 2       seit 24.12.17

Spalte 12:    23.10. - 3.11.16 Kämpfe im Argonnerwald

 

Spalte 12:       

23.10.16 - 03.11.16     Kämpfe im Argonnerwald

13.11.16 - 26.11.16     Sommeschlacht

27.11.16 - 15.03.17     Stellungskämpfe an der Somme

16.03.17 - 24.03.17     Kämpfe an der Siegfriedfront

12.04.17 - 28.04.17     Doppelschlacht Aisne - Champagne

29.04.17 - 16.06.17     Stellungskämpfe i.d. Champagne

17.06.17 - 03.08.17     Kämpfe um Reims

04.08.17 - 17.09.17     Sommerschlacht in Flandern

18.09.17 - 03.12.17     Herbstschlacht in Flandern

04.12.17 - 08.01.18     Stellungskämpfe i. belg. Flandern

 

Spalte 14:         Führung sehr gut
                         Strafen keine

Ltn. d. Res. u. Komp-Führer      F.d.A.  Im Felde, 22.1.18
Rönitz

 

Auszug aus der Kriegsstammrolle

Übz.-Gefreiter:   Überzahl-Gefreiter.

Es gab einen Plan für die Anzahl bestimmter Dienstgrade. Übz-Gefreite waren also außerhalb dieser Zahlen auf Grund  besonderer Umstände befördert worden.

Auf der Rückseite steht:

Waldlager bei Aumenancourt    -    Unser Gesangsverein  Juni 1917
Innige Grüße   Hans

Hans Ernst mit seiner Frau (1920)

22. Januar 1918

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